Unterwegs im Tempelgarten

tempelgarten-coverBei „Der Tempelgarten“, meinem neuen Roman (VÖ: 14. März), habe ich mir einen Traum erfüllt, den ich schon viele Jahre hege. Jeder Schriftsteller – ich würde sogar soweit gehen, zu sagen jeder Mensch – lässt sich von den unterschiedlichsten Dingen inspirieren. In Sachen Literatur hat mich kein Schriftsteller so sehr inspiriert wie Franz Kafka.

Wo andere Menschen erbost die Faust ballen oder erschreckt zurückweichen – zumeist in Erinnerung an „schlimme“ Deutschaufsätze in der Schule – habe ich die Geschichten von Kafka immer genossen. Egal ob es Klassiker sind wie „Der Prozess“ oder das viel zu wenig beachtete „Brief an den Vater“, kann ich mich jederzeit in den Texten von Kafka wiederfinden. Als ich das erste Mal „Das Schloß“ gelesen habe, kam ich zu dem Schluss – damals wie heute – dass es sich dabei um einen der besten Romane handelt, die ich jemals gelesen habe.

Gleichwohl war ich traurig, dass es sich bei „Das Schloss“ nur um ein Fragment handelt und von Kafka niemals beendet wurde. Mein Ansatz bei „Der Tempelgarten“ war, dass ich die Essenz von Kafkas Geschichte als Vorbild nehme und nicht nur in die heutige Zeit transportiere, sondern auch genau so zu Ende schreibe, wie ich es mir ganz persönlich in „Das Schloß“ gewünscht hätte. Unnötig zu erwähnen, dass ich den Roman von Kafka weder kopieren wollte, noch mir anmaßen wollte, das sprachliche Niveau von Kafka zu erreichen, etwas das meiner Meinung nach ohnehin nur für ganz wenige (noch lebende) Schriftsteller überhaupt zu erreichen wäre.

Mit „Der Tempelgarten“ gibt es für mich gleichermaßen einen weiteren Aspekt, der für mich wichtig ist. Es ist die erste (veröffentlichte) Geschichte von mir, die keinen direkten Bezug zu dem Fantasygenre hat. Es gibt fantastische Elemente, diese sind aber subtil gestreut und haben rein gar nichts mit dem zu tun, was man gemeinhin als Fantasy bezeichnen würde. Ich freue mich also auf die Reaktion der Leser, nicht nur im Hinblick auf die Geschichte selbst, sondern auch auf die neue Facette in meiner literarischen Arbeit.

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Lesung auf Buchmesse- und ReuCon

Im Oktober freue ich mich auf zwei – fast schon zu einer Tradition gewordene – Lesungen. Am 13. Oktober bin ich in Dreieich auf dem BuchmesseCon zu Gast und lese in illustrer Gesellschaft aus meinem neuen Roman „Tage des Niedergangs“, der in Kürze im Mantikore-Verlag erscheinen wird und den Auftakt zu den Siegel-Chroniken bildet. Nur einen Tag später, am 14. Oktober, bin ich dann in Reutlingen zum sechzehnten ReuCon, um dort ebenfalls aus „Tage des Niedergangs“ zu lesen und – sofern die Zeit reicht – auch aus dem Roman, an dem ich aktuell arbeite.

Zur Seite des Buchmesse Convent: http://www.buchmessecon.info

Zur Seite des ReuCons: http://www.reucon.net78.net

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Lesung auf der MantiCon

Nach der heutigen Lesung in Tübingen bei den Tolkien-Tagen (während ich das schreibe, steht diese noch aus), geht es Freitag direkt weiter in Richtung Starkenburg. Dort findet vom 7. bis 9. September die MantiCon statt, eine Convention vom Mantikore-Verlag und Ulisses. Ich werde an allen drei Tagen dort sein und nicht nur die eine oder andere Lesung halten (vorrangig aus meinem neuen Roman „Tage des Niedergangs“), sondern auch versuchen wieder mal ein wenig zu spielen.

Schon jetzt weiß ich, dass sich dort viele alte Bekannte treffen zusammenfinden werden. Das Gute daran ist, das ich mich mit meinen fast 40 Jahren dann doch nicht mehr so alt fühlen muss. Ich bin mir sicher, es wird ein wundervolles Wochenende, voll fantastischer Erlebnisse.

Nach dem MantiCon dauert es dann auch nicht mehr lange und es geht munter weiter mit den Lesungen. Es steht ein Con in Reutlingen an, der BuchmesseCon, der Dreieichcon, usw… Spannend und anstrengend aber wenn man das, was man zu Papier gebracht hat auch unter die Leute bringen möchte, gibt es meiner Meinung nach nichts Besseres als eine Lesung.

Informationen zum MantiCon gibt es hier: http://manticon.ulisses-spiele.de/

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Lesung bei den Tolkien-Tagen in Tübingen

Vom 3. bis zum 9. September finden in Tübingen die Tolkien-Tage statt. Eine ganze Woche lang gibt es Märchen, Fantasy und alles rund um das Mittelalter. Dass es dabei nicht nur um Tolkien oder seine Werke geht, zeigt sich auch darin, dass ich von den Veranstaltern eine Einladung erhalten habe, um aus meinen Büchern zu lesen.

Ich freue mich auf jeden Fall, am Donnerstag den 6. September aus der Minotauren-Saga zu lesen und auch – wenn es die Zeit noch zulässt – aus Teilen meines aktuellen Romans „Tage des Niedergangs“ zu lesen, der noch in Arbeit ist und in Kürze erscheinen wird. Ich bin gespannt auf die Leute, die ich dort kennenlernen werde, die Location und wie die Tolkien-Fans auf meinen Stil in Sachen Fantasy zu sprechen sind. Es verspricht lustig zu werden.

Alle Informationen zu den Tolkien-Tagen findet ihr online unter: tuebinger-tolkien-tage.de

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In Arbeit: Tage des Niedergangs

Am Anfang steht meistens eine winziges Detail, eine kaum erkennbare Idee oder eine Inspirationsquelle, die man zunächst gar nicht als solche wahrnimmt. Bei „Tage des Niedergangs“, der Roman an dem ich aktuell arbeite und in naher Zukunft beim Mantikore Verlag erscheinen wird, war es ganz ähnlich. Ein paar Details waren vorher klar abgesteckt: Es kommen Zombies darin vor, es soll einen Touch von Horror und Mystery haben. Möchte man also nicht den 500.000sten Zombie-Horror-Splatter-Roman schreiben, muss man sich schon was einfallen lassen, um ein wenig aus dem „Schema F“ auszubrechen.

Bei „Tage des Niedergangs“ sind es die Charaktere. Natürlich steht und fällt jede gute Geschichte mit der Glaubwürdigkeit der Charaktere. Um was geht es also? Die Entwicklung des Protagonisten? Die Story? Es fängt damit an, dass man sich darüber Gedanken macht, wie man die Geschichte schreiben möchte, welche Erzählperspektive man wählt. An dieser Stelle möchte ich gerne den Namen des Protagonisten verraten: Karol Formann. In „Tage des Niedergangs“ erlebt der Leser die Geschichte durch die Augen von Karol. Es beginnt mit dem Tod eines Menschen, den er gleichermaßen geliebt, wie auch gehasst hat und es endet … wir werden sehen. :-)

Wer ist dieser Karol also, der irgendwo Mitte 30 ist? Er hat etwas gemein mit vielen Lesern: Es gibt einen ungelösten Konflikt mit den Eltern. Man soll sich in Karol hineinversetzen könne, fühlen, was er fühlt. Nicht nur weil es so geschrieben steht, sondern weil so viele Konflikte bei so vielen Menschen gleich sind. Es muss spürbar und nachvollziehbar sein. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere Leser im ersten Kapitel des Romans in Karol wieder oder vielleicht sogar in seinem Vater?

Karol liebt, hasst. Vieles tut er leidenschaftlich, anderes nur halbherzig. Er ist ein Mensch wie Du und ich und dennoch macht ihn die Geschichte zu etwas Besonderem. Nicht weil er es will (oder am Ende ich als der Autor), sondern weil er keine Wahl hat. Er wird mitgerissen von den Ereignissen und muss irgendwie überleben und im besten Fall auch noch die Menschen, die ihm nahe stehen. In einer fast ausweglosen Situation, in der Karol gegen Kreaturen bestehen muss, von denen er bislang nicht glaubte, dass es sie gibt, geht es aber auch um die geistige Gesundheit. Wann wird man von den Ereignissen überwältigt, wann droht man den Verstand zu verlieren? Der Horror, der Schlafentzug, der Stress. Menschen brechen zusammen. Helden tun es nicht! Mal schauen, in welche Richtung es Karol treibt.

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Vom Fußball, Tavares und Kafka

Ganz Deutschland, ich vermute sogar weite Teile Europas, sind im EM-Fieber. So natürlich auch am 13. Juni. Es spielt Deutschland gegen die Niederlande und Portugal gegen Dänemark. Ein paar Tage zuvor hatte mich jemand gefragt, ob ich denn auch so fußballverrückt sei. Meine Antwort war relativ deutlich aber um es noch ein wenig plastischer zu gestalten: Ich bin dann – während Deutschland gespielt hat – zu der Lesung von Gonçalo M. Tavares gegangen.

Bisher sind nur zwei Bücher von Tavares in Deutsch erschienen: „Die Versehrten“ (2012 bei DVA) und der Kurzgeschichtenband „Wasser, Hund, Pferd, Kopf“ (2008 bei Der Apfel). Seit 2001 hat der Portugiese aber über dreißig Bücher veröffentlicht und kann somit guten Gewissens zu den Vielschreibern gezählt werden. Was hat Tavares also für mich so interessant gemacht? Zum einen ist es sicherlich seine Art zu schreiben, er schafft es mühelos eine beklemmende Atmosphäre zu kreieren, die er zumeist in einem perfekt geschlagenen Spannungsbogen, die ganze Geschichte hinweg aufrechterhalten kann. Zum anderen ist es der immer wieder aufgeführte Vergleich zu Frank Kafka.

Ich hatte erst ein paar Tage zuvor von Tavares‘ Lesung erfahren und mich mehr oder weniger spontan entschieden. Die Frankfurter Zentralbibliothek ist ein ausgezeichneter Ort für Lesungen, die Akustik ist super und das Ambiente lädt geradezu dazu ein, sich in Bücher zu vertiefen. Ein absoluter Vorteil an diesem Tag waren sicherlich die menschenleeren Straßen. Selten hatte ich die U-Bahn so leer erlebt und auch die Zeil war vom Besucheraufkommen vergleichbar mit einem regnerischen Feiertag. Ich bin kein großer Freund von Menschenmassen und so kamen mir diese Umstände sehr gelegen.

Trotz allem ist die Lesung sehr gut besucht. Zumeist sind die etwas rüstigeren Kaliber und Portugiesen vertreten. Von der Presse ist niemand da aber zumindest hatte die Frankfurter Rundschau einen Tag vorher darüber berichtetet. Ganz so schlecht kann es also um den Frankfurter Literaturbetrieb nicht stehen. Tavares selber drückt ebenfalls seine Freunde (oder eher Verwunderung?) darüber aus, dass am heutigen Tag so viele zu seiner Lesung erschienen sind. Er selber witzelt: „Heute ist wohl einer der schlechtesten Tage für einen portugiesischen Schriftsteller, eine Lesung in Deutschland zu halten. Schlimmer wäre es wohl nur noch, wenn Deutschland gegen Portugal spielen würde.“

Tatsächlich schien es ihn selbst weitaus mehr Überwindung gekostet zu haben, zu der Lesung zu erscheinen. Wie er selbst später erzählt, stand er als junger Mann vor der Entscheidung Profifußballer oder Mathematiker zu werden. Dass er am Ende keine dieser beiden Optionen wahrgenommen hat, freut mich natürlich umso mehr.

Neben Gonçalo M. Tavares sind noch zwei weitere Menschen mit zur Lesung angetreten. Als es dann mit dem eigentlichen Programm losgeht, sitzt zu seiner Linken ein Übersetzer und zu seiner Rechten ein Schauspieler, der dann schließlich die Passagen aus „Die Versehrten“ vorliest. Man möge mir verzeihen, dass ich die Namen der beiden nun nicht mehr im Kopf habe: Beide haben eine super Arbeit abgeliefert.

Nach dem Ende der Lesung – immerhin etwas über 1,5 Stunden – wechsele ich dann ein paar Worte mit Tavares und frage ihn, ob er denn mit dem Vergleich mit Kafka glücklich sei. Er sagt mir, dass es ihn natürlich ehre, mit einem so großen Schriftsteller verglichen zu werden, er könne aber keine große Ähnlichkeit erkennen. Seiner Meinung nach, die ich übrigens teile, ist eines der Hauptelemente in den Geschichten von Kafka, dass sich dessen Protagonisten meist in der Welt nicht zurechtfinden und oftmals verloren wirken. Wohingegen seine Charaktere meist sehr genau wissen, was um sie herum passiert und welches Ziel sie haben.

Auf dem Nachhauseweg habe ich dann noch ein wenig über Tavares nachgedacht. Ein netter, sehr bodenständiger Mann, der es weiß mit seinen Geschichten zu fesseln und mit jeder Pore seines Körpers Schriftsteller ist. Für mich war es ein sehr gelungener Abend und ich freue mich auf mehr Bücher des Portugiesen. Wobei es sehr wahrscheinlich ist, dass auch in Zukunft weitaus mehr seiner Geschichten in Englisch denn in Deutsch übersetzt werden. Als ich dann zuhause bin, schaue ich mir dann doch noch das Deutschlandspiel an, das meine Frau für mich aufgenommen hat. Ganz kann ich mich also doch nicht dem Fußball entziehen.

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